Leserbrief zu Tobias Schrörs „Erinnerungen an Napoleon“ FAZ vom 17.12.2008


Die Landeskirchen machen überall den gleichen Fehler. Auf zurückliegende Kirchenbesucherzahlen reagieren sie mit Zentralisierung. Pfarrstellen in der Fläche werden gestrichen und in zentralen Ämtern eine geringere Zahl von Seelsorgern eingesetzt.

Das widerspricht ganz eindeutig den Wünschen der Kirchenmitglieder, die laut EKD-Studie den Pfarrer vor der Haustür wünschen. Ein Seelsorger kann seine Funktion nur erfüllen, wenn ihn die Menschen im Alltagsleben erleben und kennenlernen.

Dieses Fehlverhalten hat seine Ursache in einem völlig falschen Verständnis des Auftrages. Die Kirchen sind „Dienstleister für die Menschen“. Dieses Verständnis ist durch das "Gehabe der Amtskirche" völlig verloren gegangen. Die Amtskirche ist der größte Feind der Volkskirche. Die Richtigkeit dieser These zeigt sich überall dort, wo es keine „Kirchensteuer“ gibt. In den so organisierten Kirchen ist Leben, weil sich die Finanzierung aus freiwilligen Beiträgen nur dann realisieren lässt, wenn man sich den Menschen zuwendet und um sie kümmert. Das geht aber nicht mit zentralisierten Organisationsformen, das geht nur dann wenn man eine hohe Flächenpräsenz hat.

Keine Organisation, die Problem mit ihren Mitgliedern oder „Kunden“ hat, verringert ihre Präsenz gegenüber der Klientel. Wenn man Kosten sparen muss, dann im Overhead. Hier liegen bei den Kirchen erhebliche Potenziale. Ein für die Landeskirche Braunschweig erstelltes Organisationsgutachten wies beispielsweise für die große Landeskirche Hannover einen Betrag von 0,06 Cent Verwaltungsaufwand pro Kirchenmitglieder aus. In der kleinen Landeskirche Braunschweig waren es dagegen 0,26 Cent. Das zeigt auf, wo der Reformbedarf liegt. Die Braunschweig Landeskirche hat völlig falsch reagiert und die Zahl der Pfarrerstellen in der Fläche  im Laufe der Jahre um fast ein Drittel gekürzt. Dann darf man sich nicht wundern, wenn das Klientel fernbleibt. Anstatt im Overhead zu sparen und in der Verwaltung die Rationalisierungsmöglichkeiten durch digitale Proezesse zu nutzen und das Ehrenamt zu stärken, hat sie durch Zentralisierung der Verwaltung und der Pfarrstellen  genau den falschen Weg eingeschlagen. Das Bistum Trier sollte von solchen Erfahrungen lernen, statt den selben Irrweg zu betreten.


 

 

 

Jochen-Konrad Fromme

Rechtsanwalt

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