Nicht die Menschen müssen zur Kirche kommen, sondern die Kirche zu den Menschen! - Leserbrief zu: Verliert die Landeskirche den Kontakt zur Basis? BZ 24-04-26

Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

 

 

Nicht die Menschen müssen zur Kirche kommen, sondern die Kirche zu den Menschen!

- Leserbrief zu: Verliert die Landeskirche den Kontakt zur Basis? BZ 24-04-26

 

Zentralisierung ist der falsche Hebel zur Lösung der Finanzprobleme der Kirche. Durch sie rückt man von der Basis ab und verliert den Kontakt zu der eigenen Mitgliedschaft. Mit der Folge, daß diese sich mangels Mehrwertes von der Kirche abwendet. Deshalb habe ich noch keine Organisation erlebt, die an Mitgliederschwund leidet und die sich in ein zentrales Schneckenhaus zurückzieht, statt mit eine Kontaktoffensive auf die Mitgliederschaft zuzugehen, um sie zu binden. Der Irrtum ist: Nicht die Menschen müssen zur Kirche kommen, sondern die Kirche zu den Menschen!

 

Wenn die Landeskirche nun die Basisorganisation der Ortsgemeinde auflöst und anonyme Großgemeinden bildet, dann gibt des den Pfarrer, der den Menschen im Alltag begegnet und an ihrem Gemeinschaftsleben, das sich in den Dörfern und Stadtteilen abspielt, teilnimmt und den sie kennen, nicht mehr. Die Kirche findet im Alltag der Menschen nicht mehr statt. Auch in der Not wenden sich die Menschen nicht mehr an die Kirche, denn man geht nicht zu einem Pfarrer, den man nicht kennt. Zu dem ehrenamtlichen Vertreter, der bisher immer als Ersatz gepriesen wurde, geht man erst recht nicht. Es ist der Nachbar aus dem Kirchenvorstand, an den man sich bei Problemen an Stelle des neutralen Pfarrers nicht wendet und des es in dem neuen System ja auch nicht gibt. Statt 265 Gemeinden sind es dann nur noch 10. Wer die Zahl der Gemeinden ausdünnt, vermindert auch die Zahl der Organmitglieder und der vor Ort bekannten Pfarrer als Seelsorger und Ansprechpartner.

 

Es gibt ganz andere Wege, um sinnvoll einzusparen. Statt den hauptamtlichen Verwaltungsapparat durch Zentralisierung aufzublähen und so das Geld in der Verwaltung zu binden statt es für die seelsorgliche Arbeit aufzuwenden. Ein Musterbeispiel ist die Arbeit der Gemeindewirtschaft. In der Vergangenheit wurden die Gemeindehaushalte von ehrenamtlichen Kassenverwaltern abgewickelt, die in der Regel auf der Basis der geringfügigen Beschäftigung vergütet wurden. Als Nebeneffekt hat man damit auch neben dem Kirchenvorstand einen weiteren ehrenamtlichen Mitstreiter für die aktive Gemeindearbeit gewonnen.

 

Stattdessen hat die Braunschweigische Landeskirche hauptamtliche Verwaltungsverbände nach öffentlichem Tarifrecht gebildet und die Gemeinden in diese hineingezwungen. Die Folgen: Vor Ort in jeder Kirchengemeinde verliert man ein ehrenamtlich engagiertes Mitglied und eine Explosion der Kosten. Was bisher „praktisch kostenfrei“ erledigt wurde muß nun durch hauptamtliches Personal mit einer hauptamtlichen Organisation sowie entsprechenden Raum- und Technik- und Overheadkosten erledigt.

 

Ich habe in meiner über 30-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit mit dieser Organisationsform keinerlei Probleme erlebt. Es gab im Rahmen der Rechnungsprüfung keine Beanstandungen und das System funktionierte zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Im Zuge von Intranet und EDV läßt sich dies sogar noch leichter erledigen, weil man über das Intranet ein zentral gepflegtes Buchhaltungssystem betreiben kann, in dem die einzelnen Gemeinden und Organisationsteile autonome Mandanten sind. Die dafür erforderlichen Computer sind ohnehin überall vorhanden. Ein entsprechendes Programm braucht die Landeskirche für ihre eigene Arbeit ohnehin. Es muß nur Mandantenfähig gemacht werden. Das bedeutet einheitliche Programmpflege und damit geringe Kosten und einen hohen Leistungsstandard, weil man durch standardisierte Buchungssätze die Arbeit erleichtern und die Qualität steigern kann.

 

Ein solches System habe ich dem damalige Bischof Meyns vorgeschlagen. Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch, das wir kurz nach seinem Amtsantritt auf der Gästebank einer großen Organisation am Rande einer Veranstaltung führten. Am Beispiel des Systems meines damaligen Arbeitgebers habe ich ihm erklärt, dass die Handhabung zu jeder Zeit an jedem Ort durch Jedermann möglich ist. Er war sehr begeistert und wollte das Gespräch mit mir fortführen. Ich habe davon nie wieder etwas gehört. Die teuren Verbände sind eingeführt und die Kosten laufen davon. Und jetzt fehlt das Geld für die theologische Betreuung, für die Kernaufgabe der Kirche. So kann man den Bestand nicht sichern.

Jochen-Konrad Fromme

Rechtsanwalt

Bäckerweg 2

 

38275 Haverlah

 

Tel.: 05341-833205

Fax: 05341-331852

EMail:

Rechtsanwalt@jkf.de

 

 

Kontakt und Terminvereinbarung

Jochen-Konrad Fromme

Rechtsanwalt

Bäckerweg 2

 

38275 Haverlah

 

Tel.: 05341-331661

Fax: 05341-331852

EMail:

Rechtsanwalt@jkf.de